Von Andrea Giesbrecht-Schmitz
MEDINGHOVEN. Ringe hängen an der Decke, Tellerschaukel und Kletterseil. Daneben steht eine Sprossenwand, große Bälle liegen im Raum, und der Boden ist mit dicken Matten gepolstert. Das umgebaute Schulschwimmbad an der Rene-Schickele-Straße ist zum Turnen da, aber nicht nach dem Motto "schneller, höher, weiter".
Hier, im "E. J. Kiphard-Förderzentrum", kümmern sich Sportlehrer und Therapeuten des Bonner Fördervereins Psychomotorik vielmehr mit viel Fingerspitzengefühl darum, dass Kinder "die Balance ihres Körpers und ihrer Seele" finden, wie es Vereinsgeschäftsführer Rudolf Lensing-Conrady ausdrückt. Vor zehn Jahren wurde das Zentrum eingeweiht und seitdem in Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn, öffentlichen und privaten Geldgebern zu einer bundesweit anerkannten Modelleinrichtung. Grund zum Feiern mit Freunden, Förderern und Mitarbeitern - und mit Ernst "Johnny" Kiphard.
Der 79-jährige "Vater der deutschen Psychomotorik" und emeritierte Professor der Uni Frankfurt stand im Mittelpunkt des Abends. Er war eigens aus seinem Wohnort bei Frankfurt angereist, um "die Erfüllung eines Lebenstraums" mitzufeiern. Mit sichtlicher Freude hörte er von den therapeutischen Erfolgen. Jährlich kommen rund l 000 Kinder mit Wahr-nehmungs- oder Bewegungsstörungen ins Zentrum, um nach Kiphards Idee vom Zusammenspiel von Kopf, Herz und Hand körperliches und damit einhergehend seelisches Selbstvertrauen aufzubauen. Und wer ihnen jemals dabei, zugesehen hat, fand Kiphards Motto bestätigt? "Die beste Therapie ist die, die ihr nicht merkt."
Das funktioniert nicht nur bei Kindern, wie Kiphard demonstrierte. Der ehemalige Artist, von seinen Studenten liebevoll "Professor Clown" genannt, lockerte die Gäste, darunter Bürgermeisterin Pia Hekkes, mit verblüffenden Zauberricks, auf.
Quelle: General-Anzeiger Bonn vom 12.10.2002