"Die spielen ja nur...!?" 550 Pädagogen aus unterschiedlichen Fachrichtungen gingen bei der bundesweiten Fachtagung der Rheinischen Akademie im Förderverein Psychomotorik der Bedeutung des Spiels in der kindlichen Entwicklung auf den Grund. Vielleicht auch vor dem Hintergrund der allgemeinen Bildungsdiskussion nach PISA war der Andrang größer denn je: 200 Anmeldungen mussten negativ beschieden werden.
Tagungsleiter Rudolf Lensing-Conrady betonte eingangs die Notwendigkeit deutlicher bildungspolitischer Stellungnahme aus psychomotorischer Sicht in der Diskussion um Erziehungsinhalte in Kindergarten und Schule. Wo Kindheit von denkbar schlechten Rahmenvoraussetzungen bestimmt wird, die einer umfassenden ganzheitlichen Erziehung und Entwicklung entgegenwirken, (Verhäuslichung und Verinselung lassen Kinder vereinsamen - steigender Medienkonsum und die Verplanung des Alltags bestimmen den Tagesablauf) führen Bewegungsmangel und als Folge fehlendes Körper- und Selbst-bewußtsein zu Entwicklungsauffälligkeiten wie Unruhe, mangelnder Konzentrationsfähigkeit, Lernschwierigkeiten und Ängsten. Wo freies, selbstorganisiertes und eigenständiges Spiel mehr und mehr aus dem Leben von Kindern zu verschwinden droht, muss die Pädagogik Freiräume für sinnvolles Spiel geben.
24 Referentinnen und Referenten boten in der psychomtorischen Förder- und Bewegungsstelle Bad Godesberg ein breites Themenangebot, das sich auf Theoretischer Ebene mit den Grundzügen des kindlichen Spiels und den ihm eigene pädagogischen Möglichkeiten beschäftigte. Die diagnostische Bedeutung von Spielsituationen, musisch- kreative und handlungsorientierte Ansätze in der Pädagogik sowie Formen der Elternarbeit und Möglichkeiten der Entwicklungsförderung in der Familie, bildeten die Schwerpunkte des Kongresses.
Fazit: spielend erwerben Kinder Handlungskompetenz auf individueller, sozialer und kognitiver Ebene, Spiel ist durch Freiheit, Spontaneität und Zwecklosigkeit geprägt und ist keine zielgerichtete Vorbereitung auf spätere Leistungsanforderungen.
Spielen ermöglicht vielmehr eine individuelle Entwicklungs- und Lerngeschichte. Spielerisch Erlebtes fließt als Erfahrungsschatz zum Beispiel in Problemsituationen immer wieder ein - Spielerfahrung der Kindheit werden für spätere Lebenserfahrungen genutzt. Da wundert es nicht, in einem der Tagungsräume in Zitat von albert Einstein zu finden: "Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt". "Die spielen ja nur!? Psychomotorik in der Kindergartenpraxis" heißt das neueste Werk von Akademieleiter Hans Jürgen Beins und Simone Cox, Leiterin des Kindergartens des Fördervereins Psychomotorik. Darin fassen die beiden ihre Erfahrungen mit einer am Spiel orientierten Pädagogik zusammen. Leitmotiv ist ein Zitat von Astrid Lindgren: "Kinder sollten mehr spielen, als sie es heute tun. Denn wenn man genügend spielt, solange man klein ist - dann trägt man Erfahrungen mit sich herum,. Aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann."
Quelle: Bonner Rundschau vom 11.06.2002