Bad Godesberg. Der Bundeskongress der Rheinischen Akademie im Förderverein Psychomotorik hatte ein schlichtes Thema - "Kinder lernen in Bewegung" - und erregte große Aufmerksamkeit, was sich in 700 Teilnehmern und 300 verschickten Absagen an Interessierte aus allen Fachbereichen der Pädagogik und Therapie zeigte.
Wie lässt sich das große Interesse erklären? Hans J. Beins, Leiter der Rheinischen Akademie, sieht einen Zusammenhang mit der derzeitigen Bildungsreform. Während Politiker an den Schulreformen unter dem gesellschaftlichen Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf arbeiteten, sähen die Praktiker immer wieder die Notwendigkeit, an Erziehungsansätze vom Kinde aus zu erinnern.
Mit Matthias Schenk, der auf Schloss Freudenberg / Wiesbaden seit 10 Jahren das "Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne" betreut, das auf die Ideen und Schriften Hugo Kükelhaus zurückgeht, luden die Bonner Psychomotoriker einen Praktiker des Lernens mit allen Sinnen und unbequemen Kritiker eingefahrener Alltagspädagogik als Hauptredner ein. Er mokierte sich in seinem mitreißenden Vortrag über die Praxis des Lernens in durchgeplanten Situationen, in denen dem Kind aufbereitete Wirklichkeit in kleinen Portionen gereicht und das Machen eigener Erfahrungen genommen werde. Hier sei Überforderung durch Unterforderung vorprogrammiert. Schenk forderte das Lernen mit allen Sinnen ein. Kinder hätten zu wenig Gelegenheit, einzusetzen, was in ihnen steckt und setzte mit seiner Kritik bei der Ausstattung der Lernumgebungen an. "Alle, die einem einreden, man könne etwas lernen, ohne dass es wehtut, lügen." Sein Vortrag polarisierte die Zuhörerschaft: zu abgehoben, nicht bezahlbar - mutig, toll! Und genau das wollte er: zum Nachdenken anregen, Meinungen in Bewegung bringen.
Doch in einem war man sich einig: dass Kinder in Bewegung am besten lernen, müsse nicht länger bewiesen werden, war doch die erste Bewegungsbaustelle das Paradies. Anschließend konnten die Teilnehmer in fast 40 Workshops, die jeweils zeitversetzt angeboten wurden, die Bandbreite des psychomotorischen Ansatzes erfahren.
Dass sich in den letzten Jahren in Bonn einiges bewegt, zeigt für Beins die Kooperation der drei Hausherren, die zum dritten Mal ihre Räume zur Verfügung stellten: Donatusschule, Nikolaus-Cusanus-Gymnasium und Gesamtschule Bad Godesberg, ohne deren Unterstützung der Kongress nicht stattfinden könnte.
Quelle: Bonner Rundschau, 24. Mai 2004, von Maria Wolf
700 Teilnehmer aus Bonn, der Region und anderen Teilen Deutschlands nutzten kürzlich die Einladung der Rheinischen Akademie im Förderverein Psychomotorik zur Fachtagung "Kinder lernen in Bewegung" in der Bad Godesberger Gesamtschule.
"Das Interesse war so groß, dass wir Absagen erteilen mußten", freut sich Akademieleiter Hans Jürgen Beins. Im Hauptvortrag forderte Matthias Schenk, ein gelernter Schauspieler und der heutige Leiter des Wiesbadener Schlosses Freudenberg, die Teilnehmer auf unter- haltsame Weise auf, mutige Veränderung zu wagen und nicht ins allgemeine Wehklagen über schlechte Bedingungen einzustimmen. Lernen erfordere Eigen- aktivität, Neugierde und Interesse. Die Workshops der Fachtagung gaben dann zahlreiche Praxisbeispiele dafür, wie gut Kinder gerade in Bewegung lernen. Dabei wurde mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Lernen eine sitzende Haltung erfordere. Grundschullehrerin Sara Förster etwa zeigte, wie ein bewegter Mathematik-Unterricht aussehen kann. Wolfgang Witte eröffnete das Lernen im Spiel mit Alltagsmaterialien, und Fiona Martzy machte deutlich , dass die Wahrnehmung die Grundlage aller Lernprozesse ist. Auf dem bunt gestalteten Schulhof gab es während der Pausen natürlich auch Bewegungsmöglichkeiten. Zum Abschluss gab ein Film Einblick in die psychomotorische Arbeit mit Kleinkindern, im Kindergarten, der Grund- und der Hauptschule. ham
Quelle: General-Anzeiger Bonn, 25. Mai 2004