Rund 700 Pädagogen, Therapeuten und Eltern aus Bonn, der Region und allen Teilen Deutschlands nahmen an einer Fachtagung der Rheinischen Akademie des Fördervereins Psychomotorik teil. Das Thema lautete in diesem Jahr: "Bildung braucht Bewegung". Der "Vater der deutschen Psychomotorik "Professor Ernst J. Kiphard, nahm als Ehrengast an der Fachtagung teil.
"Das Interesse an der Veranstaltung war riesig, wir mussten viele Absagen erteilen", sagt Akademieleiter Hans Jürgen Beins. Die Fachtagung ist die größte von mehr als 100 Veranstaltungen der Rheinischen Akademie im Jahr und findet seit 1993 regelmäßig statt. Zentrale Bestandteile psychomotorischer Pädagogik sind laut Beins "die Bewegung, die Wahrnehmung, das Spiel und das selbsttätige entdeckende Lernen".
Im Hauptvortrag stellte der bekannte Liedermacher Professor Frederik Vahle Überlegungen zur "leiblichen und sprachlichen Beweglichkeit" an. Danach sind Bewegung, Spiel und Sprache in der kindlichen Entwicklung eng verknüpft. In den 30 Workshops zu Themen wie kindgemäße Entspannung, "Psychomotorik mit übergewichtigen Kindern" oder "Zum Lesen verlocken" konnten die Teilnehmer erfahren, wie "Bildung in Bewegung" kommt.
So stellte etwa der Diplom-Psychologe Karl-Heinz Barth ein Konzept für Früherkennung und Prävention von Rechtschreib- und Rechenschwierigkeiten vor. Aus seiner Praxis in einer Beratungsstelle in Geldern weiß Barth, dass in vielen Fällen spätere Probleme durch rechtzeitige Förderung der Kinder deutlich verringert werden können. Schon im Kindergarten könnten Defizite erkannt werden, wenn Kinder etwa Schwierigkeiten hätten, Reimwörter zu erkennen, so Barth.
Alexandra Silveira Wakahara hat in einem der Workshops gelernt, wie hyperaktive Kinder durch den Wechsel von Bewegung und Ruhe, Spannung und Entspannung therapiert werden können. In ihrer physiotherapeutischen Praxis in Köln will sie diese Erkenntnisse jetzt umsetzten. Johann Klass, Erzieher im Kinderdorf Hollenberg in Lohmar, stellte auf dem Pausenhof pädagogische Alltagsgegenstände aus, die er in der täglichen Arbeit mit den Jugendlichen entwickelt hat. Aus Gegenständen wie Fahrradlenkern, Hüpfbällen, Leitern, Möbelböcken und Tapetenabschlussleisten hat Klass Geräte entwickelt, mit denen durch Drehen, Tasten, Rotation und Heranziehen Wahrnehmungs- und Gleichgewichtsstörungen behandelt werden können.
In der Abschlussveranstaltung präsentierten der Liedermacher Vahle und der Musiker Janvier Honfo das musikalische Märchen vom "Traum der Tiere".