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Wer wagt, gewinnt?
oder: Hilft das Zulassen von kleinen Abenteuern, Unfallrisiken zu vermeiden?

Rutsche Erste Ergebnisse der Bonner "Risikostudie", Stand März 2003: Noch immer hat man in manchen Kindergärten den Eindruck, dass die Angst vor Unfällen die Initiierung von Bewegungsangeboten verhindert. In der Bonner "Risikostudie" wurde der Frage nachgegangen, ob Kinder entgegen bisheriger Annahmen durch psychomotorische Bewegungsförderung sogar eine Risikokompetenz aufbauen können, die sie vor Unfällen schützt. Für die Praxis im Kindergarten und in der Schule ergeben sich daraus vielfältige Überlegungen, wie ein Förderkonzept gestaltet werden kann, um Kinder in gefährlichen Situationen handlungskompetent zu machen. Eine Verbindung der psychomotorischen Idee mit neueren Entwicklungen der Sicherheitsförderung liegt dabei nahe, da beide Arbeitsfelder sich an einem handlungsorientierten, ganzheitlichen Menschenbild orientieren.

Vier ineinander verzahnte Teile der Studie, die vom Institut für angewandte Bewegungsforschung im Förderverein Psychomotorik Bonn durchgeführt und zum Ende des Jahres 2003 abgeschlossen wird, gehen unterschiedlichen Fragestellungen dem komplexen Thema des Erwerbs einer Risikokompetenz bei Kindergartenkindern nach. In Vorstudien wurden bisherige Unfälle der Psychomotorik nachuntersucht und Einstellungen zum Thema von Lehrern und Übungsleitern erfasst, um Erkenntnisse über Unfallhäufigkeiten sowie über typische Unfallabläufe und deren Gründe zu gewinnen. Es wurde außerdem im Vorfeld mit intuitivem Entscheidungsverhalten von Kindern in riskanten Situationen experimentiert; dabei sollte herausgefunden werden, was Kinder dazu bringt, in gefährlichen Situationen richtig oder falsch zu handeln.wackelig Die Erfahrungen dieser Studien fließen in ein praxisorientiertes, psychomotorisches Förderkonzept zur Verbesserung von Risikokompetenz von Kindergartenkindern ein, welches zur Zeit mit ca. 500 Kindern an 15 Bonner Kindergärten durchgeführt und überprüft wird.

Obwohl die Studie noch nicht abgeschlossen ist, treten schon jetzt einige interessante Tendenzen zu Tage: Man konnte anhand der Nachuntersuchung von Unfällen in psychomotorischen Förderangeboten erkennen, dass sich in diesem Bereich sehr wenige Unfälle ereignen. Vergleicht man die Zahlen mit dem Unfallzahlen des Schulsports, so stellt man fest, dass Kinder, die sich in Psychomotorikgruppen bewegen, nur ein Bruchteil des Unfallrisikos von Kindern im Schulsport tragen. Ebenso unterscheidet sich die Art der Unfälle von denen im Schulsport.

Eine eingehende Prüfung und Diskussion dieser z.T. noch vorläufigen und nicht repräsentativen Erkenntnisse steht noch aus, allerdings erscheint eine vertiefende Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Bedingungen der verglichenen Angebote Schulsport und Psychomotorik notwendig: Nicht nur, dass die Gruppengrößen in der Regel in psychomotorischen Förderangeboten wesentlich geringer sind als in Schulsportstunden, auch die Inhalte unterscheiden sich deutlich. So spielen klassische Ballsportspiele in psychomotorischer Bewegungsförderung nur eine sehr untergeordnete Rolle, während sie in der Schule für nahezu ein Drittel aller Unfälle verantwortlich sind. Auch die Systeme Schule bzw. Kindergarten oder Verein, in welche die Angebote eingebunden sind, besitzen mit großer Wahrscheinlichkeit einen maßgeblichen Einfluss auf das Unfallgeschehen. Zu diskutieren ist auch die Tatsache, dass es sich in psychomotorischen Angeboten oft um Kinder handelt, die aufgrund bestimmter Indikationen an den Angeboten teilnehmen.

Weitere Überlegungen führen jedoch auch dazu, das Verhalten und die Einstellungen des jeweiligen Lehrpersonals im Hinblick auf Risiko im Allgemeinen und Unfallgefahren im Besonderen zu fokussieren: Anhand eines Fragebogens für Sport unterrichtende Lehrkräfte in Grundschulen und Leiter von psychomotorischen Fördergruppen wurde der Frage nachgegangen, inwieweit sich Meinungen und Handlungen der beiden Gruppen unterscheiden. Nach ersten, vorläufigen Auswertungen von über 100 Fragebögen konnte dabei festgestellt werden, dass die beiden Gruppen Fragen zum Verhalten im eigenen Unterricht unterschiedlich beantworten. Ein Beispiel: Beim Statement "Risiko ist im Schulsport/in der Bewegungsförderung möglichst auszuschalten" kreuzten 41% aller befragten Lehrer/-innen die Antwortkategorie "trifft voll und ganz zu" oder "trifft eher zu" an. In diesen beiden Kategorien machten jedoch nur 6,5% aller Psychomotorik- Übungsleiter/-innen ein Kreuz. 52,2 % der Psychomotorik-Übungsleiter/-innen kreuzten bei dieser Frage die Kategorie "trifft überhaupt nicht zu" an, allerdings nur 13,1 % der Grundschullehrer/-innen. Wenn also scheinbar versucht wird, das Risiko im Schulsport eher auszuschalten, warum passieren dort dann immer noch so viele Unfälle?

Eine abschließende Antwort kann auf die sicherlich provokative Frage (noch) nicht gegeben werden. Im mittlerweile praxiserprobten Förderkonzept zur Verbesserung von Risikokompetenz von Kindergartenkindern, welches im Rahmen der Studie entstand, konnten jedoch bereits viele Aspekte aufgenommen werden, die offensichtlich eine Bedeutung zur Stärkung von Risikokompetenz haben. Die Überprüfung der Wirkungen des Förderkonzeptes wird gegen Anfang des Jahres 2004 vorliegen.

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zuletzt aktualisiert am 25.10.2011